Für Marken
Werbewirkung messen im Livestream
Von Marcell Dechant · Chief Executive Officer
Werbewirkung messen ist im Livestream leichter als im Fernsehen und schwerer als in der Suchanzeige. Leichter, weil jede Einblendung einen technischen Vorgang hat, den man protokollieren kann. Schwerer, weil zwischen „wurde eingeblendet" und „hat gewirkt" mehrere Schritte liegen, die kein Zähler abbildet. Dieser Text sortiert, welche Zahl welchen Schritt belegt — und wo eine Zahl aufhört, eine Aussage zu sein.
Stufe 1: Ausgeliefert
Die unterste Stufe ist die belastbarste. Eine Einblendung wurde ausgeliefert, wenn der Stream zu diesem Zeitpunkt tatsächlich live war und Zuschauer hatte. Genau das lässt sich serverseitig festhalten, mit Kanal, Zeitpunkt und Zuschauerzahl.
Der Unterschied zu geschätzten Reichweiten aus einem Media-Kit ist erheblich. Eine Schätzung sagt, was ein Kanal üblicherweise erreicht. Ein Auslieferungsprotokoll sagt, was an diesem Abend passiert ist. Beim Vergleich von Angeboten ist die erste Frage deshalb nicht „wie viele Impressionen", sondern „woraus entsteht diese Zahl".
Stufe 2: Gesehen
Hier wird es unscharf, und das sollte man nicht überspielen. Dass eine Einblendung im Bild war und der Stream lief, heißt nicht, dass jemand hingesehen hat. Diese Lücke hat jede Gattung, auch Fernsehen und Außenwerbung.
Was das Livestream-Umfeld auszeichnet, ist die Aufmerksamkeitslage: Zuschauer sitzen im Schnitt lange bei einem Kanal und haben ihn selbst gewählt. Was es nicht auszeichnet, ist die Messbarkeit dieser Aufmerksamkeit — dafür bräuchte es Blickverfolgung, und die gibt es hier nicht. Wer dir eine Sichtbarkeitsquote auf zwei Nachkommastellen verkauft, verkauft ein Modell, kein Messergebnis.
Stufe 3: Reagiert
Die Reaktion ist wieder hart messbar, aber selten. Ein Klick auf einen getrackten Link, ein eingelöster Creator-Code, ein Besuch über einen Kurzlink: Das sind Ereignisse mit Zeitstempel, die sich einer Kampagne und einem Kanal zuordnen lassen.
Zwei Warnungen dazu. Erstens sind Klickraten im Stream naturgemäß niedrig — die meisten Zuschauer haben gerade keine freie Hand, und viele sehen am Fernseher. Zweitens verschiebt ein Code die Messung: Er wird oft erst Tage später eingelöst, was die Zuordnung erschwert, aber im Gegenzug tatsächlichen Umsatz belegt statt eines Zwischenschritts. Wie wir Klicks und Kosten zueinander ins Verhältnis setzen, steht in der Erklärung zum CPM.
Stufe 4: Gewirkt
Bekanntheit, Sympathie, Kaufabsicht — das misst keine Auslieferungsstatistik, sondern eine Befragung vor und nach der Kampagne. Solche Brand-Lift-Studien sind ab einer gewissen Budgetgröße sinnvoll und darunter Verschwendung, weil die Stichprobe die Effekte nicht mehr von Rauschen trennt.
Der pragmatische Ersatz für kleinere Budgets ist ein Test mit Kontrast: eine Kampagne in einem klar abgegrenzten Zeitraum, daneben ein vergleichbarer Zeitraum ohne Kampagne, und dann ein Blick auf Suchvolumen zur Marke, Direktzugriffe und Umsatz. Das ist kein sauberer Kausalitätsnachweis, aber es ist ehrlicher als eine überinterpretierte Klickrate.
Was du konkret verlangen solltest
Für den Angebotsvergleich reichen vier Fragen:
- Woraus entsteht eine Impression — aus einer Schätzung oder aus einem Auslieferungsprotokoll?
- Bekomme ich die Auswertung pro Kanal und pro Tag oder nur eine Summe?
- Werden Klicks eindeutig einer Kampagne zugeordnet, und wie wird Mehrfachzählung verhindert?
- Was steht ausdrücklich nicht in der Auswertung?
Die vierte Frage ist die aufschlussreichste. Ein Anbieter, der die Grenzen seiner eigenen Zahlen benennen kann, hat sie verstanden. Welche Kennzahlen bei uns im Abschlussbericht stehen, zeigt die Seite für Werbetreibende.