Für Streamer
Werbung im Stream kennzeichnen: So geht es richtig
Von Marcell Dechant · Chief Executive Officer
Werbung im Stream kennzeichnen: Für viele Streamer klingt das nach Bürokratie, die erst ab zehntausend Followern relevant wird. Das Gegenteil ist richtig. Die Pflicht, Werbung als solche erkennbar zu machen, gilt unabhängig von der Kanalgröße, und zwar ab dem ersten bezahlten Inhalt. Die gute Nachricht: Sauber kennzeichnen ist einfacher, als die meisten denken.
Warum Kennzeichnung Pflicht ist
In Deutschland gilt für Medieninhalte das Trennungsgebot: Werbung muss vom redaktionellen Inhalt unterscheidbar und als Werbung erkennbar sein. Für Streamer greifen dabei vor allem der Medienstaatsvertrag und das Wettbewerbsrecht. Wer bezahlte Inhalte nicht kennzeichnet, riskiert Abmahnungen, und die treffen erfahrungsgemäß nicht nur die Großen. Die Landesmedienanstalten veröffentlichen dazu einen regelmäßig aktualisierten Leitfaden zur Werbekennzeichnung in Online-Medien, der als praktische Referenz taugt.
Kennzeichnungspflichtig ist mehr, als viele vermuten: bezahlte Sponsorings, Affiliate-Links in der Kanalbeschreibung, kostenlos überlassene Produkte, wenn dafür eine Gegenleistung erwartet wird, und natürlich Werbeeinblendungen im Stream-Bild.
So kennzeichnest du in der Praxis
Bewährt haben sich drei Ebenen, die sich ergänzen:
- Im Stream selbst: Werbeeinblendungen sollten als Werbung erkennbar sein, etwa durch ein sichtbares „Werbung"- oder „Anzeige"-Label an der Einblendung. Bei In-Stream-Ads über unsere Plattform ist die Kennzeichnung direkt in die Formate integriert, bei Chat-Ads steht sie in der Nachricht selbst.
- Im Titel oder Panel: Läuft ein gesponserter Stream, gehört ein Hinweis wie „Werbung" in den Stream-Titel. Dauerhafte Kooperationen kannst du zusätzlich in einem Kanal-Panel offenlegen.
- Im Gespräch: Sag es einfach. Ein Satz wie „Der Banner unten rechts ist Werbung, damit finanziere ich den Stream" kostet nichts und schafft mehr Vertrauen als jedes Kleingedruckte.
Wichtig ist, dass die Kennzeichnung dort sichtbar ist, wo die Werbung stattfindet. Ein Hinweis, der nur in der Kanalbeschreibung steht, während die Werbung im Video läuft, reicht nicht.
Kennzeichnung ist kein Nachteil
Viele Streamer fürchten, sichtbare Werbekennzeichnung schrecke Zuschauer ab. Die Erfahrung spricht dagegen: Communities reagieren auf offen deklarierte Werbung deutlich entspannter als auf den Verdacht versteckter Deals. Gerade kleine Kanäle leben vom Vertrauen ihrer Zuschauer, und Transparenz zahlt genau darauf ein. Wer über automatisierte Kampagnen ab etwa 5 Zuschauern mitverdient, kann das offen sagen: Die meisten Communities gönnen ihrem Streamer die Einnahmen.
Kurz-Checkliste
- Jede bezahlte oder produktgestützte Kooperation kennzeichnen, unabhängig von der Kanalgröße
- Label („Werbung"/„Anzeige") dort platzieren, wo die Werbung sichtbar ist
- Gesponserte Streams im Titel markieren, Affiliate-Links beim Link kennzeichnen
- Im Zweifel kennzeichnen: Zu viel Transparenz hat noch niemandem geschadet
Ein ehrlicher Hinweis zum Schluss: Dieser Beitrag erklärt die Grundsätze, ersetzt aber keine Rechtsberatung. Im Zweifelsfall, etwa bei ungewöhnlichen Kooperationsmodellen, lohnt der Blick in den Leitfaden der Landesmedienanstalten oder das Gespräch mit einem Fachanwalt.